10 Tipps für den Einstieg in die Welt des BDSM

Wer anfängt, sich für BDSM zu interessieren und sich darüber informiert, der stößt schnell auf sehr viele Informationen, Erfahrungen, Tipps, vermeintliche Regeln, übliche Verhaltensweisen und und und. Schnell fühlt man sich da überfordert. Man weiß vielleicht, wo man hinmöchte. Aber der Weg dahin ist völlig unklar. Es gibt so viel – aber wie fängt man am besten an? Was ist wichtig?

Tipps und Ratgeber gibt es einige. Viele davon klingen aber sehr dogmatisch. Es entsteht schnell der Eindruck, dass BDSM auf eine bestimmte Weise gelebt werden müsste. Doch BDSM ist bunt, jeder lebt es individuell, und goldene Regeln, die eingehalten werden müssen, gibt es nicht. Trotzdem möchte ich dir hier 10 Tipps an die Hand geben, die dir dabei helfen sollen, dein ganz persönlcihes BDSM zu entdecken. Wichtig: Es sind nur Tipps und Ratschläge, aber keine Gesetze. Welche du davon umsetzen willst, bleibt deine Entscheidung.

Tipp 1: Lies dich ins Thema ein

Mein erster Tipp ist: Lies dich in Ruhe ein. Es gibt viele Informationen rund um BDSM. Das Internet ist voll mit Inspirationen, Erfahrungen und Erklärungen. Es gibt unzählige Vorlieben, Praktiken, Spielarten und Lebensweisen. Sich zu informieren erweitert den Horizont. Und das hilft sehr, sich selbst zu finden, sich selbst etwas besser zu verstehen.

Wo genau du dich einliest, ist dabei erst mal zweitrangig. Du kannst erst mal einfach nur Googeln. Suche dir Blogs oder Foren zum Thema BDSM. Literatur (z.B. von Matthias Grimme) kann helfen. Gut ist es, wenn du mehrere Quellen nutzt und unterschiedliche Beschreibungen und Meinungen liest, um dir ein umfassenderes Bild von allem zu machen.

Lass dich dabei aber nicht von den vielen Begriffen erschrecken. Eine kleine Hilfe bei den Begriffen versuche ich hier durch mein Lexikon zu geben. Es gibt aber sehr viele Begriffe und die genaue Abgrenzung ist auch oft schwer. Das ist aber erst mal egal, denn Begriffe sind nur für die Kommunikation untereinander ganz hilfreich. Für dich und dein BDSM sind es aber erstmal einfach nur Worte.

Tipp 2: Informiere dich über Risiken

Ein spezieller Punkt, der beim Einlesen wichtig ist, sind Risiken. BDSM kann mitunter ziemlich gefährlich werden, wenn man nicht aufpasst. Beim Schlagen gibt es einige Stellen, die man nicht treffen sollte. Beim Fesseln muss man aufpassen, dass man keine Nerven zuschnürt. Dominanz kann wesentlich eindringlicher sein als gedacht. Und Sub kann plötzlich das Safeword nicht mehr sagen. Das sind nur ein paar wenige Punkte, denen man sich bewusst sein sollte. Je mehr du weißt, was du beachten musst, welche Gefahren es gibt und vor allem auch, wie man diese minimiert, desto besser

Grundsätzlich gilt: Schmerzen sind ein Warnsignal und auch wenn Schmerzen beim BDSM oft dazugehören, sollte damit nicht unbedacht umgegangen werden. Beim Fesseln sollte immer eine Schere in Reichweite liegen, um die Seile im Zweifel durchzuschneiden (Gipsscheren sind empfehlenswert). Und ansonsten muss sichergestellt werden, dass der devote Part mit den Handlungen einverstanden und auch nicht überfordert ist.

Tipp 3: Redet, redet, redet

Gerade um den letzten Punkt sicherzustellen – also, dass auch der devote Part mit allem einverstanden ist – ist es unabdingbar, miteinander zu reden. Man muss nicht jede Praktik und jedes Hilfsmittel ins Detail besprechen. Aber gerade wenn beide vielleicht noch nicht viel Erfahrung haben oder sich noch nicht allzu gut kennen, schadet es nicht, eher etwas zu viel zu reden als zu wenig.

Was hat bisher gut gefallen? Was darf ausgebaut werden? Was war weniger gut? Wo sollte etwas geändert werden? War etwas zu viel, zu schnell oder doch zu wenig? Wer hat welche Vorstellungen und welche Wünsche? Gibt es Ängste, Zweifel, Sorgen? Kam jemand an seine Grenze und konnte das nicht zeigen? Welche Lösungen gibt es für eventuell bestehende Probleme? Usw.

Was, wie oft und in welchem Ausmaß ihr redet, bleibt natürlich euch überlassen. Es klappt am Anfang aber selten alles auf Anhieb. Oft denkt man nur, es wäre alles OK und übersieht, dass der andere vielleicht nicht alles OK findet. Das ist auch kein reines BDSM-Problem, sondern ein grundsätzliches in Beziehungen. Beim BDSM können falsche Schlüsse aber fatale Folgen haben. Und deswegen ist Reden hier ganz besonders wichtig.

Tipp 4: Safeword oder Ampel

Eine Hilfe kann das Safeword oder Ampelsystem sein. Das Safeword ist ein Abbruchsignal, bei dem der dominante Part sofort aufhören muss. Das kann jedes beliebige Wort sein, dass ihr beim Sex sonst nicht benutzt. Für den Anfang bietet sich auch einfach „Halt“, „Stopp“ und „Nein“ an, solange diese noch kein Teil des Spiels sein sollen. Der Vorname des dominanten Parts ist auch gut, weil jeder Mensch sofort hellhörig wird, wenn er seinen Namen hört.

Ein Problem am Safeword ist oft, dass Sub es nicht aussprechen kann oder möchte. Immerhin ist das auch etwas sehr Abstraktes, das es in der normalen Kommunikation nicht gibt. Ein Safeword kann daher zwar mehr Sicherheit für den devoten Part geben – man sollte sich aber nicht darauf verlassen, dass es wirklich ausgesprochen wird.

Einsteigern empfehle ich daher grundsätzlich die Ampel. Das ist ein System mit mehreren Stufen. „Grün“ bedeutet, dass alles in Ordnung ist, „gelb“ bedeutet, dass man an der Grenze ist und es nicht intensiver werden darf, „rot“ bedeutet, dass es schon zu viel ist. Der Vorteil der Ampel ist, dass der dominante Part immer wieder fragen kann, wo der devote gerade steht. Die Initiative geht hier also vom dominanten Part aus.

Wenn ihr für euch beschließt, dass ihr lieber ohne Safeword oder Ampel spielen wollt, und ihr euch lieber umso vorsichtiger herantastet, ist das selbstverständlich auch völlig in Ordnung.

Tipp 5: Fangt klein an

Neben dem Reden ist es gut, wenn ihr es langsam angehen lasst. Wie bereits erwähnt kann BDSM sehr intensiv werden. Es ist nicht selten, dass während einer Session erst alles in Ordnung scheint. Und erst hinterher realisiert einer, welche Gefühle da alle aufkamen. Womöglich ist auch Scham dabei für Dinge, die man gemacht oder machen lassen hat. Oder auch Angst, weil man im Nachhinein das Gefühl hat, die Kontrolle über sich verloren zu haben. Es kann auch passieren, dass schon während einer Session der devote Part so überwältigt von den Gefühlen und der Situation ist, dass er nicht mehr Stopp sagen kann.

Deswegen ist es sinnvoll, wenn man erst mal klein anfängt. Schaut, wie sich einzelne Praktiken für euch anfühlen und wie es euch im Nachhinein damit geht. Wenn du, als dominanter Part, dir unsicher bist, breche lieber zu früh ab, als zu spät. Redet anschließend darüber, wie es euch erging. Und dann könnt ihr euch langsam steigern.

Tipp 6: Experimentiert mit Haushaltsartikeln

Viele denken bei BDSM an zahlloses Equipment. Von Ledermanschetten über Handschellen bis zu Paddel und Peitschen. Wenn man noch minderjährig ist, kommt man aber gar nicht in einen Sexshop. Und eine Onlinebestellung erweist sich meist auch als schwierig. Grade am Anfang braucht man all das aber gar nicht. Wozu auch? Bei den meisten Praktiken weiß man ja noch gar nicht, ob es einem überhaupt zusagt. Da ist es sinnlos, viel Geld für ein teures Equipment auszugeben, dass man dann nur einmal benutzt.

Gegenstände aus dem Haushalt reichen da erst mal völlig aus. Fesseln kann man sich mit Schals und Tüchern sehr gut. Eine Augenbinde ist durch einen Schal oder einfach durch eine Schlafmaske schnell ersetzt. Zum Schlagen eignen sich neben der Hand ein Kochlöffel oder die Rückseite einer Haarbüste. Mit der borstigen Seite oder einer Gabel kann man auch leicht über die Haut kratzen. Für einen Knebel nimmt man auch entweder nur ein Tuch (wobei das den Mund schnell austrocknet) oder einen sauberen Ball. Wäscheklammern und Kerzen findet man eigentlich auch in jedem Haushalt. Je mehr ihr euch umseht, desto mehr werdet ihr entdecken, dass ihr gut zweckentfremden könnt.

Alternativ gibt es auch im Baumarkt oder im Tierfachhandel einige schöne Dinge, wie z.B. Seile, Halsbänder und Leinen.

Tipp 7: Tausche dich mit anderen aus

Dies ist wirklich kein Muss. Aber ich persönlich finde es sehr bereichernd, wenn man sich mit anderen BDSMern austauscht. Dabei spielt es keine Rolle, ob man das rein virtuell in einem Forum tut, über private Nachrichten in einer Community oder ganz real, z.B. auf einem Stammtisch.

Andere Menschen haben meist einen anderen Blick auf die Dinge. Sie können dir helfen, deine Gefühle zu verstehen oder eine Lösung für ein Problem zu finden. Sie zeigen dir andere Perspektiven, aber auch andere Lebensweisen. Möglich, dass andere in ähnlichen Situationen ganz anders fühlen. Oder sie fühlen doch überraschend ähnlich. Sie können dir vielleicht auch helfen, deinen Partner besser zu verstehen, wenn dieser sich vielleicht in einer Sache nicht verständlich ausdrücken konnte.

Natürlich gibt es viele BDSMer, die sich nicht austauschen möchten oder die sich nicht trauen, mit anderen über so intime Dinge zu reden. Wenn du das nicht möchtest, ist das völlig in Ordnung. Das ist, wie alles andere, nur ein Tipp und keine Vorschrift.

Tipp 8: Lass dich nicht beirren oder drängen

Allgemein gibt es im BDSM keine Vorschriften. Es gibt aber so einige Menschen, die davon reden, wie „echtes“ BDSM zu sein habe. Oder dass „wahre“ Dominanz so und so sei und „richtige“ Unterwerfung so. Im BDSM gelten aber nur solche „Regeln“; die es grundsätzlich im menschlichen Zusammensein gibt: Respekt, Einvernehmlichkeit, Rücksicht und solche Dinge.

Leider gibt es immer wieder Leute, die sagen, sie wüssten, wie echtes BDSM aussehen würde. Alles andere sei Wischiwaschi oder Möchtegern. Und wenn du nicht so bist, bist du gar nicht wirklich dominant oder devot. Nicht selten sind es dominante Männer, die unerfahrene, devote Frauen dazu drängen, etwas zu tun, was sie nicht möchten – mit der Aussage, dass sie nicht wirklich devot seien, wenn sie das nicht machen. Das ist alles Blödsinn. Wenn du etwas nicht tun willst, lass es. Und wenn das in den Augen anderer kein „echtes“ BDSM ist, dann ist das eben so. Das wichtigste ist, dass du tust, was dich erfüllt. Und nicht das, von dem andere Menschen sagen, dass es in eine bestimmte Schublade passt.

Tipp 9: Finde deinen persönlichen Weg

Bei all dem Lesen und Austauschen, aber auch vorsichtig sein, passiert es schnell, dass man nicht mehr weiß, wo oben und wo unten ist; was einem wirklich gefällt und wo man nur dem Klischee entsprechen möchte.

Wichtig ist, dass du zu dir selbst findest und du dein ganz persönliches BDSM entwickelst. Es gibt kein richtig oder falsch. Es gibt nur ganz viele unterschiedliche Arten, BDSM auszuleben. Und wenn du dich fragst, ob man auch X und Y machen kann, weil du das gerne möchtest, dann lautet die Antwort: Ja. Ganz unabhängig davon, wie viele oder wenige das sonst machen.

Alles was du liest und hörst, kann niemals eine absolute Aussage sein. Jede Praktik, jede Idee, jede Beschreibung kann höchstens eine Inspiration für dein ganz persönliches BDSM sein. Ob du etwas in dein BDSM einbauen möchtest oder nicht, ist alleine deine Entscheidung.

Es ist dein Leben, deine Sexualität und damit auch dein BDSM. Da hat sonst niemand mitzureden. Ok, außer deinem Partner vielleicht. Immerhin wollt ihr diesen Weg ja gemeinsam gehen – da darf man gerne aufeinander zugehen und auch mal einen Kompromiss eingehen.

Tipp 10: Hab Spaß

Das ist vielleicht sogar der wichtigste Tipp von allen. BDSM ist keine olympische Disziplin, kein Wettkampf oder Statussymbol. Es ist eine sexuelle Neigung, eine Leidenschaft, eine zwischenmenschliche Intimität. Es geht nicht darum, etwas perfekt zu machen. Es geht darum, dass es euch erfüllt und euch Spaß macht. Lasst es locker angehen, ohne Druck. Aber dafür gerne mal mit Humor, viel Herz und viel Freude auf beiden Seiten!

Ein Kommentar zu „10 Tipps für den Einstieg in die Welt des BDSM

  1. Sehr gut zusammengefasst!
    Auch wenn man manchmal das Gefühl hat, es sei doch schon alles gesagt, muss das immer wieder Thema sein. Zu viel kann schief gehen, zu viele (Frauen vor allem) lassen sich von Männern zu Dingen verführen, die sie eigentlich gar nicht wollen unter dem Vorwand, „das macht man so“. Immer noch, trotz der Möglichkeiten, die das Internet bietet …
    Wenn auch nur ein Mensch deshalb NICHT in eine schlechte Situation gerät, dann hat ein solcher Artikel schon seinen Zweck erfüllt.
    Danke dafür!

    Gefällt 1 Person

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