Sicherheitskonzepte im BDSM

Die BDSM-Szene schmückt sich gerne mit ihrem Grundsatz SSC (safe, sane & consensual). Alles ist sicher, vernünftig und einvernehmlich. Für manche ein Muss, um BDSM praktizieren zu können. Doch ist das die einzige Wahrheit? Nein, sagen die RACKer. Sie sehen manches aus einem anderen Blickwinkel. Was sich hinter den Kürzeln verbirgt und wo die Unterschiede liegen.

Was ist SSC?

SSC ist die Abkürzung für Safe, Sane and Consesual. Also sicher, mit gesundem Menschenverstand und einvernehmlich.

Der Begriff wurde geschaffen, damit man sich auch vor der „Außenwelt“ erklären kann. Sehen BDSM-Praktiken doch oft danach aus, als würde man einfach wahllos auf jemanden einprügeln und ihn entwürdigen. Doch BDSMer machen eigentlich genau das Gegenteil. Sie sprechen viel miteinander, klären Grenzen ab, tasten sich ran. Schlagtechniken werden geübt, man informiert sich über Risiken und minimiert diese, so gut es geht. Es geht auch nicht darum, möglichst hart und brutal zu sein, sondern darum, eine sexuelle Neigung auszuleben.

Trotzdem gibt es schnell einige Kritik an dem Begriff „SSC“:

Safe: Wie sicher kann BDSM überhaupt sein? Gibt es nicht immer irgendwelche Risiken? Es gibt schließlich auch keine TÜV oder Bestimmungen, die irgendwo für irgendwas einen Standard setzen könnten.

Sane: Was bedeutet „vernünftig“ oder „mit gesundem Menschenverstand“? Wer legt denn fest, ob etwas noch gesund ist? Ist das nicht viel mehr ein sehr subjektiver Eindruck? Etwas, das jeder für sich, ganz individuell festlegt? Gibt es nicht genug nicht-BDSMer die bei vielen Dingen sagen, es wäre „krank“? Wer darf sich anmaßen, über andere zu urteilen?

Was ist RACK?

RACK steht für Risk-Aware Consensual Kink, also risikobewusster, einvernehmlicher Kink.

Der Begriff bedeutet nicht, dass man gerade sehr risikoreiche Praktiken, wie bspw. Atemkontrolle, durchführt. Er zeigt viel mehr auf, dass es immer irgendwelche Risiken gibt. Zu sagen, man würde „sicher“ spielen, vermittelt schnell ein falsches Sicherheitsgefühl. Man wird dadurch ggf. unvorsichtig. Und wenn doch etwas schiefgeht, ist der Schock umso größer.

Verfechter von Rack gehen ganz Bewusst irgendwelche Risiken ein. Mitunter auch Praktiken, bei denen viele Menschen die Hände über den Kopf zusammenschlagen, weil diese im schlimmsten Fall mit dem Tod oder einem schweren Trauma enden kann.

Denn: Was spricht dagegen, wenn zwei mündige Erwachsene etwas tun, womit beide einverstanden sind? Wieso soll etwas verwerflich sein, das nicht unbedingt vernünftig ist, alle beteiligten es aber praktizieren wollen?

Unterschiede und Parallelen

Und wo ist jetzt der Unterschied? Ist das nicht irgendwie das gleiche?

Im Grunde meint beides eigentlich so ziemlich das Gleiche. Man macht Dinge nicht leichtfertig, sondern man informiert sich. Risiken werden wahrgenommen und minimiert. Und natürlich findet alles nur einvernehmlich statt.

Für mich persönlich liegt der Unterschied vor allem darin, welchen Blickwinkel man auf eine Sache einnimmt. Während beim SSC der Fokus auf der geschaffenen Sicherheit liegt, behält man beim RACK eher die bleibenden Risiken im Blick.

Von meinem Gefühl her führt das dazu, dass ein SSCer nicht mehr damit rechnet, dass etwas missglücken wird. Er fühlt sich sicher – und passt dadurch vielleicht auch weniger auf. Wenn dann doch etwas schiefgegangen ist, hätte das nicht passieren dürfen, der andere hat Schuld oder auch das Schicksal oder die Welt. In Zukunft muss also noch besser aufgepasst werden, damit das nie wieder passiert.

Im RACK steht dafür die Eigenverantwortung ganz oben. Wenn Dom Mist baut, ist Sub auch immer mit verantwortlich, denn Sub hat in so ein Spiel mit Dom eingewilligt. Aber wenn dann etwas passiert, dann ist das eben so. Auch Dom ist nur ein Mensch. Noch mehr Sicherheitsvorkehrungen würden den Beteiligten den Spaß nehmen. Kleine Unfälle werden eher mal hingenommen.

Letztendlich ist es egal, ob man SSC oder RACK lebt. Wichtiger ist, dass alle Beteiligten sich informieren, sich wirklich bewusst sind, auf was sie sich einlassen und (nur) das ausleben, womit sie einverstanden sind. Und all das findet man in beiden Konzepten.

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