Warum tragen Erwachsene freiwillig Windeln und spielen Baby?

Adultbabies kennt man vor allem aus dem Ageplay-Bereich, aber auch im DDLG resp. CGL gibt es Littles, die sich als Baby fühlen. Für Außenstehende wirkt das oft befremdlich bis abstoßend. Und es stellt sich schnell die Frage, woher das kommt und ob das denn normal ist. Zwar bin ich kein Psychologe und Studien dazu sind mit nicht bekannt. Aber ich habe mir dazu auch einige Gedanken gemacht, die ich gerne mit euch teile.

Die Hintergründe, wieso jemand gerne Windeln trägt, sind sicher so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Es ist eben ein Teil des Menschen, so wie alle Charaktereigenschaften, Interessen, Vorlieben etc. Wir werden durch sehr viele Dinge geprägt und entsprechend entwickeln wir uns.

Bei dieser Frage muss man erst mal unterscheiden, ob es sich um Windelfetisch, -Liebhaber oder um Adultbabies handelt, wobei sich das alles natürlich vermischen kann.

Windeln tragen

Der Windelfetisch ist ein Fetisch wie jeder andere auch, und hat mit Baby-Verhalten auch erst mal gar nix zu tun. Menschen entwickeln Fetische unter anderem, wenn sie ein Objekt sexualisieren. Das scheint besonders dann zu passieren, wenn sie starke Gefühle dazu haben. Wer als Kind große Angst vor platzenden Ballons hat und Ballons deswegen immer ein großes Thema sind, der findet das Platzen irgendwann womöglich erregend. Und wer lange noch Windeln tragen musste, entwickelt vielleicht eher einen Windelfetisch

Ein sexueller Fetisch führt grundsätzlich auch zu sexueller Erregung. Genau das macht etwas zu einem Fetisch. Doch nicht jeder Windelträger wird erregt. Viele mögen einfach das Gefühl von Geborgenheit. Oder sie finden es einfach äußerst praktisch.

Bei einem Adultbaby sind die Windeln nicht unbedingt ein Fetisch, sondern oft Mittel zum Zweck, um sich besser in die Babyrolle einzufühlen. Andere nutzen dazu z.B. auch Strampler, weil sie so kuschelig sind oder Schnuller, weil sie das Nuckeln beruhigt. Es geht also um das „Baby-sein“ und die Gefühle, die damit zusammenhängen, weniger um die einzelnen Accessoires an sich.

Der Headspace

Die Babyrolle ist hier keine gespielte Rolle wie in einem Rollenspiel, sondern mehr Ausdruck einer tiefen Empfindung. Persönlich sehe ich große Parallelen zum PetPlay, also wenn ein Mensch möglichst authentisch in die Rolle eines Tieres schlüpft. Es geht weniger darum, dass man sich wirklich irgendwie in die Kindheit zurückwünscht oder etwas vermisst. Es geht mehr darum, sich in die Gefühlswelt eines Wesens zu begeben, das auf die Fürsorge und den Schutz eines anderen Menschen angewiesen ist. Man kann als „Baby“/“Kleinkind“/“Tier“ die komplette Kontrolle abgeben, sich ganz auf das Hier und Jetzt konzentrieren, alle Sorgen und Verpflichtungen völlig ausblenden und einfach nur sein. Es ist auch immer ein bisschen Auszeit vom Alltag.

Die Adultbabies, Ageplayer und Littles, die ich kenne, sind sehr empfindsame, sensible Wesen. Das Bedürfnis nach Geborgenheit ist oft sehr ausgeprägt und kann im hektischen Alltag nicht gestillt werden.

Gerade Jungs und Männer haben es in unserer Gesellschaft auch heute oft noch schwer, mal schwach zu sein. Sie müssen stets stark und souverän sein. Die empfindliche Seite wird versteckt. Kindlich und verspielt ist in Maßen toleriert, aber zu extrem darf es auch nicht werden.

Manche können diese Bedürfnisse gut in ihr Alltags-Ich integrieren und ehrlich dazu stehen. Andere „bündeln“ diese Gefühle und Bedürfnisse dann und lassen das alles auf einen Schlag (und dadurch zum Teil umso heftiger) in Form einer Ageplay-Session raus.

Folge einer schlechten Kindheit?

Ich kann und will natürlich nicht leugnen, dass manchen AdultBabies in der Kindheit etwas gefehlt hat. Manche hatten womöglich als Kind bereits ein hohes Bedürfnis nach Liebe und Geborgenheit und die Eltern habe dieses nicht ausreichend gestillt. Andere wurden missbraucht, vernachlässigt, mussten schnell Verantwortung übernehmen usw.

Ob daraus sich daraus aber eine Ageplay-Vorliebe entwickelt, ist noch mal eine ganz andere Frage. Menschen mit schlechter Kindheit gibt es überall. Und wenn man bei einem Menschen tief genug gräbt, findet man immer etwas, das in der Kindheit nicht gut war. Man macht es sich also zu einfach, wenn man von dem einen auf das andere schließt.

Aber selbst falls es bei jemandem mit einer schlechten Kindheit zusammenhängt, ist Ageplay keine Störung. Wer wirklich gelitten hat, entwickelt erst mal eine herkömmliche psychische Störung, wie Depressionen oder gar Borderline. Ageplay kann da einen wunderbaren Gegenpol darstellen. Wie gesagt eine kleine Auszeit aus allem, um wieder Energie tanken zu können. Das ist völlig legitim. Andere Menschen malen, treiben Sport oder spielen ein Instrument, um positive Energie zu tanken.

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