Wenn Littles eigene Kinder bekommen

Littles sind in ihrem Herzen noch Kinder und manchmal nimmt das Kindliche viel Raum im Leben ein. Doch was ist, wenn ein CGL-Paar beschließt, eigene Kinder zu bekommen? Gerade Außenstehende können sich oft nur schwer vorstellen, wie das klappen soll. Aber auch Littles und Caregiver stellt das vor eine Herausforderung.

Ob man Kinder haben möchte oder nicht, das ist bei jedem Menschen anders. Das ist auch ganz unabhängig davon, ob man Little oder Caregiver ist oder nicht. Littles sind trotz aller Kindlichkeit in erster Linie erwachsene Menschen. Und selbstverständlich haben viele auch den Wunsch, eine eigene Familie zu gründen.

Da ich selbst keine Kinder habe, kann ich all diese Fragen nicht selbst beantworten. Ich habe mich aber ausgiebig mit diesem Thema beschäftigt, Foren-Beiträge gelesen sowie mit einigen Eltern gesprochen. An dieser Stelle bedanke ich mich ganz herzlich für alle, die einen persönlichen Einblick in ihr Familien-Leben gegeben haben!

Häufige Fragen, die aufkommen, sind: Kann jemand, der selbst „Kind“ ist, überhaupt ein guter Elternteil sein? Ist man dann nicht irgendwann eifersüchtig auf das Kind? Es ist doch schädlich für das Kind, wenn die Mama oder der Papa sich wie ein Baby verhält? Kann ein Little überhaupt ausreichend Verantwortung übernehmen?

Die Antworten darauf sind so unterschiedlich, wie die Menschen selbst. Ganz unberechtigt sind diese Fragen nicht. Aber meiner Erfahrung nach ist am Ende alles gar nicht so wild, wie es scheint.

Aufkommende Schwierigkeiten

Mein Daddy und ich haben tatsächlich keinen Kinderwunsch. Ich selbst bin mir seit jeher unschlüssig und fühle mich einfach nicht bereit für Kinder. Ich habe psychische Erkrankungen, die mich im Alltag einschränken und wegen denen ich nicht so viel Verantwortung tragen möchte. Das hat aber erst mal nichts mit meiner Identität als Little zu tun, sondern eben mit besagten Erkrankungen. Es ist außerdem keine Kopf-Entscheidung, sondern eine emotionale. Würde ich in meinem Inneren eigentlich gerne Kinder haben, würden wir dafür aber bestimmt eine Lösung finden. Psychische Erkrankungen machen aus einem schließlich keine schlechten Eltern, solange man verantwortungsvoll damit umgeht.

Doch auch in Bezug auf das Little-sein gibt es einige Bedenken, die auch andere CGL-Paare haben. Mit einem Kind kommt plötzlich ein kleines Wesen dazu, das eigene Bedürfnisse hat und gerade in den ersten Lebensjahren sehr viel Aufmerksamkeit braucht. Und dann bekommt das Kind womöglich die Art von Aufmerksamkeit, die das Little gerne hätte. Oder es will mit einem der eigenen geliebten Plüschtiere spielen. Mögliche Eifersucht droht. Das Gute ist: Viele Littles und Caregiver, die ein Kind bekommen möchten, machen sich darüber Gedanken. Wenn man sich einer möglichen Gefahr im Vorfeld bewusst ist, kann man darüber reden und Lösungen suchen.

Jedes Paar muss irgendwo zurückstecken, wenn ein Kind da ist. Das ist normal. Littles können damit genauso umgehen wie alle anderen Menschen. Man kann dann eben nicht mehr tun und lassen, was man möchte, sondern man hat da ein kleines Wesen, um das man sich kümmern muss. Dann wird man eben nicht mehr ständig vom Caregiver betüdelt, quengelt herum oder hüpft über den Spielplatz. Little zu sein bedeutet nicht, dass man sich nicht mehr unter Kontrolle hat oder dass man die kindliche Seite immer unbedingt in vollem Ausmaß ausleben muss. Der Little Space ist in der Regel etwas freiwilliges, dem man nachgeht, weil es sich gut anfühlt.

Lösungen finden

Littles sind zwar in vielerlei Hinsicht kindlich und manchmal wollen wir uns gar nicht benehmen. Aber wir können uns da sehr wohl zusammenreißen. Wenn das Kind seine Mama braucht, sind auch Littles ganz Mama. Sie werden mitunter dominant, streng, aber eben auch fürsorglich und kümmern sich. Sie geben dem Kind Halt und Sicherheit. Sie geben ihm ein Zuhause, sie erziehen es und bereiten es auf das Leben vor. Die eigene Kindlichkeit rückt in den Hintergrund, sobald diese unangebracht ist und man erwachsen und stark agieren muss.

Eltern zu sein, bedeutet aber nicht, komplett auf die eigenen Bedürfnisse zu verzichten. Wenn man nur zurück steckt, ist das für niemanden gesund. Sicher brauchen Kinder viel Aufmerksamkeit, aber ab einem gewissen Alter kann und sollte man auch Grenzen setzen. Eigene Plüschtiere kann man irgendwo hin stellen, wo das Kind nicht einfach ran kommt. Und man kann erklären, dass es eben nicht an alle Kuscheltiere einfach ran darf.

Davon ganz abgesehen ist man aber nicht ausschließlich Mama bzw. Papa, sondern man bleibt auch selbst ein eigenständiger Mensch. Und die Eltern sind nicht nur Eltern, sondern auch ein Paar. Es ist gut und wichtig, dass man sich auch Zeit für sich alleine oder als Paar nimmt. Es ist völlig legitim, wenn man sich Zeit nimmt, um als Paar zu kuscheln oder auch mal ungestört einfach Little und Caregiver zu sein. Wer sich danach sehnt, gelegentlich in den Little Space abzutauchen, findet auch hierfür Möglichkeiten. Vielleicht kann man sich Zeit nehmen, wenn das Kind schläft oder außer Haus ist. Vielleicht nehmen die Großeltern das Kind öfter mal, damit man ein wenig Zeit für sich hat.

Kindliche Eltern

Das Kind muss also überhaupt nicht mitbekommen, dass ein Eltern-Teil eine so ausgeprägte kindliche Seite hat. Ein wenig Kindlichkeit ist außerdem auch gar nicht schlimm. Auch Eltern müssen nicht immer 100% erwachsen sein, sondern sie dürfen sich auch ihr inneres Kind bewahren. Ein bisschen Rosa hier, ein wenig Glitzer da oder die süße Tasse mit Einhorn-Motiv fallen auch gesellschaftlich überhaupt nicht negativ auf. Genauso kann man mal vor Freude quieken oder Händchen halten oder albern sein. Im schlimmsten Fall sagt das Kind, dass die Mama (oder der Papa) manchmal etwas spinnt. Wir alle dürfen unsere Eigenheiten haben, solange sie niemandem schaden.

Besonders schön ist es aber natürlich, wenn das Kind das mag, was auch das Little mag. Man kann zusammen auf dem Spielplatz gehen, Sandkuchen backen und Sandburgen bauen. Man tobt rum, geht zusammen schaukeln oder auf die Rutsche. Man malt zusammen oder bastelt etwas, das beiden Spaß macht. Oder man findet eine gemeinsame Leidenschaft in Bauklötzchen, Lego oder Playmobil. Daddy kann Kind und Mama Märchen oder andere Geschichten vorlesen oder man gruselt sich zusammen bei spannenden Kinderfilmen. Kuscheltiere kauft man gemeinsam und dann spielen Kind und Mama (oder Papa) stundenlang. Viele Littles berichten, dass sie von anderen Müttern hören, wie toll es ist, dass sie so innig und authentisch mit ihren Kindern spielen. Es ist doch auch für das Kind schön, wenn die Eltern selbst Spaß an einer Sache haben und nicht nur etwas dem Kind zuliebe mitmachen.

Das Kind bleibt ein Individuum

Aber hier ist es ganz, ganz wichtig, dass man seinem Kind nicht irgend etwas aufzwingt. Kinder sind eigene kleine Persönlichkeiten, jedes Kind ist ein Individuum. Dessen muss man sich immer bewusst sein. Es kommt oft vor, dass das Kind so ganz andere Interessen hat, als man selbst. Oder eben auch, dass das Kind älter wird – und irgendwann älter ist, als das eigene „Little-Alter“. Das gilt es natürlich unbedingt zu akzeptieren. Genauso, wie man seinem Kind nicht das aufzwingen darf, von dem man denkt, dass es das – z.B. aufgrund des Geschlechts – mögen muss oder was man selbst als Kind gerne gehabt hätte. Das ist also nichts, worauf nur Littles achten müssen. Aber es ist etwas, dass viele Littles, die Eltern sind, stark betonen.

Unter’m Strich sind Littles genauso gute Eltern wie alle anderen Menschen auch. Sie stellen ihr Kind an erste Stelle. Sie sehen ihr Kind nicht als Konkurrenz oder werden eifersüchtig. Sondern sie sind ganz Mama resp. Papa und bereiten ihr Kind auf das Leben vor. Wenn es darauf ankommt, sind sie erwachsen und verantwortungsvoll. Sie genießen es sehr, mit ihren Kindern zu spielen und mit ihnen zusammen kindlich zu sein. Doch sie achten auch darauf, dass sie respektiert werden und die Kinder auf sie hören.

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