Liebevolle BDSM-Beziehung

Oft scheint BDSM sehr kaltherzig zu sein. Es entsteht der Eindruck, dass Liebe und Respekt in so einer Beziehung keinen Platz haben. Ganz besonders, wenn das Machtgefälle auch außerhalb des Bettes stattfindet. Kann man dem Partner die Kontrolle über sich abgeben ohne dass man auf Dauer Schaden nimmt?

BDSM sieht von außen schnell aus wie rohe Gewalt. Einer hat das Sagen und unterdrückt den anderen. Er schlägt, beleidigt, bespuckt… und der andere scheint unterwürfig, willenlos, verängstigt. Manchen Außenstehenden fällt es schwer, sich vorzustellen, ob und wie das mit Liebe und Zuneigung zusammenpasst.

Dabei ist BDSM für viele so viel mehr als nur ein Kink oder ein einfaches sexuelles Spiel. Es geht um tiefes Vertrauen, Verbundenheit, Empathie, Respekt und natürlich auch um Liebe.

Viele leben BDSM nur im sexuellen Kontext und das ist absolut OK. Aber auch da geht es nicht nur um kalten, distanzierten Sex und Erniedrigung. Viele Subs sind sehr stolz und erhaben. Immerhin erfüllt sie das, was sie tun. Und ihr Dom liebt und respektiert ihre Hingabe und Devotion. Oft fühlen sich BDSM-Paare gerade während einer Session sogar ganz besonders verbunden. Sub zeigt sich durch die Devotion ganz besonders empfindlich, gibt sich in Doms Hände und vertraut darauf, dass er auf sie achtet.

Manchen fällt es aber schwer, den geliebten Partner zu erniedrigen oder zu schlagen. Oder als selbstbewusster Mensch, der mit beiden Beinen im Leben steht, sich plötzlich unterordnet und sich dem Willen eines anderen beugt. Da hilft es, BDSM als Rollenspiel zu sehen. Oder zumindest klar zwischen BDSM und Alltag zu trennen. Man spricht sich dann z.B. mit speziellen Kosenamen wie „Herr“ und „Sklavin“ oder mit fiktiven Vornamen an, Dom legt Sub ein Halsband an und nimmt es nach der Session wieder ab oder man findet ganz eigene Rituale, um den Übergang zu verdeutlichen.

Davon abgesehen muss BDSM nicht immer so vermeintlich brutal und kaltherzig sein. Im Gegenteil. Eine Session ist oft auch mit Zärtlichkeiten verbunden, wie streicheln, küssen, umarmen, halten. BDSM kommt auch völlig ohne Schmerz aus, kann sehr sanft und leise sein. Oder sogar direkt auf die sexuelle Lust von Sub fokussiert, sodass dieser auf jeden Fall auf seine Kosten kommt.

Für andere ist BDSM aber auch eine Lebenseinstellung. Sie wollen das Machtgefälle auch im Alltag, dauerhaft und rund um die Uhr. Das kann sehr subtil sein, aber es kann auch alle Lebensbereiche umfassen. Und meiner Meinung nach funktioniert das nicht ohne Liebe. Es muss keine klassische Liebesbeziehung sein. Aber beide wollen das beste für den anderen, nehmen den anderen als wertvolles Wesen wahr. Nur dann ist gewährleistet, dass Dom auch wirklich auf Sub achtet. Und nur dann ist Sub wirklich gewillt, sich ehrlich unterzuordnen und sich hinzugeben.

Wichtig ist dabei immer, einen gewissen Gegenpol zu schaffen. Nach einer Session wird in der Regel noch lange geknuddelt, der devote Part emotional aufgefangen. Es wird auf Augenhöhe geredet, wer sich was wünscht und ob sich die Beziehung in die richtige Richtung entwickelt, sodass sie für beide erfüllend ist.

Es gibt im BDSM kein richtig oder falsch. Und es gibt immer wieder Konstellationen und Lebensweisen, die für einen selbst zuvor undenkbar schienen. Aber letztendlich scheint nichts unmöglich. Wenn dich BDSM reizt, aber du dir noch nicht vorstellen kannst, wie das auf liebevolle Weise geschehen kann: Gib dem Ganzen eine Chance. Lese dich ein. Überlege dir, was du dir wünschen würdest. Und ich bin mir sicher, dass du das auch irgendwie leben kannst – auch wenn du im Moment vielleicht nicht weißt, wie das gehen soll.

Die Beziehungsform, die ich mir wünsche, ist, dass Dom permanent das Sagen hat aber seine Macht vorrangig dafür nutzt, dass es mir gut geht. Also dass er mich umsorgt, auf mein Wohl achtet, sich um mich kümmert und beschützt. Das klingt auch erst mal seltsam, aber ich habe es so schon in Form einer 24/7-DDLG-Beziehung gelebt und es war für mich sehr erfüllend ❤

Ein Kommentar zu „Liebevolle BDSM-Beziehung

  1. Das hast du ganz wunderbar geschrieben.
    Auch für mich gehört Liebe zur BDSM-Beziehung dazu. Klar geht es auch ohne, aber ich behaupte, dass dann die Tiefe fehlt, diese ganz besondere Verbindung, die alle Empfindungen verstärkt und sie erst über die Äußerlichkeiten hinausgehen lässt.
    Danke für den schönen Beitrag!

    Gefällt 1 Person

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