Mein Alltag als nicht-sexuelles-24/7-Little-Sklavin-Freundin-Mischmasch-Gedöns

Es gibt verschiedene Arten unter uns Littles und am Ende ist sowieso jedes individuell. Ich sehe mich als Vollzeit-Little: Littlesein ist ein grundlegender Teil von mir, ich bin in vielerlei Hinsicht recht kindlich. Aber ich bin ein „nicht-sexuelles Little“, stehe total auch BDSM und habe wesentliche Sklavinnen-Anteile in mir. Wie soll das denn bitte funktionieren??

In einem früheren Beitrag habe ich bereits geschrieben, wie meine Little-Seite und meine DDLG-Beziehung aussehen. Hier geht es noch mehr darum, wie sich das mit anderen Persönlichkeits-Anteilen verträgt.

Verschiedene Seiten

Das klassische Bild eines Littles: Es steht drauf, von Daddy über Knie gelegt und sexuell benutzt zu werden. Auch im Little Space. – Das betrifft aber nur die sexuellen Littles. Ich lehne jegliche sexuellen Handlungen im Little Space ab, deswegen zähle ich zu den nicht-sexuellen Littles.

Eine häufige Lebensweise: Little ist man nur zuhause, mit Daddy und auch nicht immer im Little Space. – Ich für meinen Teil sehe Little aber als etwas, das mich im tiefsten Inneren ausmacht. Ich bin nicht immer im Little Space, aber ich bin immer Little. Also ein 24/7-Little.

Das klassische Bild eines nicht-sexuellen Littles: Es liebt Rosa und Einhörner, mag viele kindliche Dinge, will einfach nur unschuldig Kind sein dürfen. Es will frech sein dürfen und mal egoistisch sein. – Das stimmt. Und im Little Space ist das besonders extrem. Aber, ich bin ja nicht immer im Little Space.

Außerhalb vom Little Space kann ich genauso erwachsen oder devot sein, wie andere Subs oder Sklavinnen. Trotzdem kommen sich die verschiedene Anteile und Bedürfnisse öfter mal in die Quere. Das alles unter einen Hut zu bekommen war tatsächlich gar nicht mal sooo einfach.

Trennung der Seiten

Neben dem Little und der erwachsenen Frau bin ich auch Sub und Sklavin, ich bin Partnerin und gute Freundin. Aber die Vorstellung, dass der Mann vor mir zuerst mein Papi/Daddy ist, der mich verwöhnt und umsorgt… später mein Herr, dem ich untergeben bin und dem ich gehorchen muss… und dann mein Schatz auf Augenhöhe, der mit absolut gleich gestellt ist… und ich ständig umswitchen muss…. nee, das ist mir zu anstrengend! 

Im alltäglichen Umgang ist es natürlich oft leichter, das Little von der Sklavin und der Partnerin zu trennen. Respektive den Daddy vom Herrn und vom Partner. Das darf natürlich auch jeder handhaben, wie er möchte und wie es sich gut und richtig anfühlt. Das ist eine ganz individuelle Geschmacksfrage.

Ich persönlich lehne für mich bzw. meine Partnerschaft aber ab, diese Rollen irgendwie zu trennen. Im normalen Leben machen wir das schließlich auch nicht. Menschen sind komplexe Wesen und in der Regel auch recht facettenreich. Es ist nur natürlich, wenn man unterschiedliche Gefühle und Bedürfnisse hat, die sich auf den ersten Block erst mal ausschließen. Die Kunst ist, einen Weg zu finden, dass alles davon seinen Platz im eigenen Leben findet

Die Partnerin – Der Alltag

In erster Linie möchte ich von meinem Partner als Mensch gesehen werden. Mit ganz normalen, menschlichen Gefühlen und Bedürfnissen. Ich mag kuscheln. Ich mag es, gemeinsam mit dem Hund rauszugehen. Ich mag es, wenn wir gemeinsam kochen und zusammen essen. Ich mag es, mit ihm zu reisen. Und ich mag es, gemeinsam die Zukunft zu planen. Ich diskutiere, wir streiten. Die Meinung des anderen wird eingeholt. Es werden Lösungen gesucht und Kompromisse eingegangen.

Das ist alles vollkommen normal. Von Little und BDSM soweit keine Spur. Aber vieles Dinge sind eben nicht auf den ersten Blick erkennbar. Little und Sklavin gehört genauso zu mir, wie alles andere. DDLG und BDSM gehören absolut dazu, sie bilden aber nicht die Basis für eine glückliche Beziehung. Die Basis ist für mich tatsächlich absolut normal, menschlich, fast langweilig: Es muss harmonieren.

Das Little – meine kindliche Seite

Für mich ist Little eine grundlegende Persönlichkeitseigenschaft. Ich fühle mich eigentlich immer ein wenig kindlich. Erwachsenen-Dinge strengen mich an. Vor allem liebe ich aber kindliche Dinge wie Rosa, Plüschtiere, Zeichentrickfilme, Einhörner etc. immer. Egal wie ich mich fühle, egal in welchem „Space“ ich bin. Sowas finde ich einfach immer toll. Genauso bin ich immer recht empfindsam, brauche lange, um anderen Menschen zu vertrauen, bin schnell verunsichert, … Das bleibt auch in meiner Rolle als Sklavin immer erhalten.

Im Little Space sind meine kindlichen Gefühle und Bedürfnisse nur ganz besonders ausgeprägt. Ich unterdrücke nichts mehr, sondern lasse allen meinen Gefühlen freien Lauf. Ich bin empfindsam, leicht verletzbar, aber auch fröhlich, naiv, unschuldig. Sexuelle Erregung funktioniert in der Zeit für mich nicht.

Immer Little zu sein heißt aber nicht, immer im Little Space zu sein. Außerhalb vom Little Space kontrolliere ich meine Gefühle stärker, reiße mich zusammen, kann mich selber schützen. Die Gefühle sind nicht so intensiv und nicht immer so präsent, aber sie sind trotzdem noch da. Und außerhalb vom Little Space habe ich auch ganz erwachsene Bedürfnisse, zu denen auch Sex gehören.

Mir ganz persönlich erschließt sich nicht, wie man nicht 24/7-Little sein kann. Ich weiß aber auch, dass andere Littles da anders empfindet. Das macht sie natürlich nicht weniger Little, nur ein bisschen anders als mich.

Die Sklavin – meine devote Seite

Während „das Little“ in mir gerne mal frech ist, liebt es „die Sklavin“ in mir, zu dienen und zu gehorchen. Ich möchte meinen Partner glücklich sehen. Und manchmal neige ich dazu, meine Wünsche und Bedürfnisse ihm zu liebe so lange runterzuschlucken, bis es mich zerreißt. Das ist aber absolut ungesund und ist auch nichts, das eine Sklavin ausmachen sollte.

Unbedenklich dagegen ist, dass es mich erfüllt, meinem Partner zu dienen. Sei es, ein Mahl zuzubereiten, etwas zu organisieren, auszuräumen, zu putzen, recherchieren oder andere lästige Tätigkeiten, auf die der Herr keine Lust hat.

Im Gegenzug weiß er das aber zu schätzen. Er nutzt mich nicht aus, sondern er gibt mir Raum, mich zu entfalten. Mit Liebe, Respekt und Rücksicht. Und genau das ist es, was mich erfüllt. Es steht kein Zwang dahinter, es geht nicht um Unterdrückung. Es geht darum, sich gegenseitig Wertschätzung entgegenzubringen.

Als Sklavin möchte ich aber auch die Grenzen sehen. Konsequenz und Bestrafung ist daher für mich unabdingbar. Wenn ich das Gefühl bekomme, ich kann ihm auf der Nase rumtanzen, geht jegliche Devotion flöten. Als Little will auch mal frech sein dürfen. Ich vertrage außerdem so ziemlich keine Strafen, weil dann mein kleines Little-Herz bricht.

Einfach ich – das Gesamtpaket

Ich habe bewusst daraufhin gearbeitet, dass alle Seiten meiner Persönlichkeit in mir verschmolzen sind. Wenn die einzelnen Anteile trennen würde, würde es sich für mich nach Rollenspiel anfühlen. Ich hätte außerdem das Gefühl, ständig irgendwie umschalten zu müssen und das ist mir zu anstrengend. Mein Partner hatte immer das Sagen, egal ob ich mich gerade sehr klein Gefühlt habe oder nicht.

Natürlich möchte ich, dass mein Partner auf meine Stimmung Rücksicht nimmt und entsprechend agiert. Aber ich möchte nicht, dass er unterschiedliche „Persönlichkeiten“ in mir sieht, sondern immer mich als Mensch und als Gesamtpaket mit allem, was dazu gehört.

Das bedeutet aber auch, dass mal der eine, mal der andere Anteil in mir präsenter ist. In einer BDSM-Session bin ich sehr devot und fühle mich gar nicht kindlich. Im tiefen Little Space fühle ich mich (fast) nicht devot, sondern bin ich mal sehr frech.

Meist vermischt es sich aber einfach. Dann fühle ich mich klein, während ich das Bad putze. Wenn ich das Essen servieren soll, richte es in Smiley- oder Herz-Form an. Und während dem Staubwischen tanze ich zu den Songs von My Little Pony. Die Belohnung ist ein neus Plüschtier oder ein Eis. Eine Bestrafung, dass ich keinen Nachstisch bekomme – oder auch mal andere Dinge, wenn der Kontext stimmt. Morgens wurde mir oft ein Kaffee ans Bett gebracht, aber dann war ich für das Frühstück zuständig, das ich dann auch gerne mal littlelig angerichtet habe.

Wie haben wir das Geschafft?

Ehrlich gesagt, kann ich nicht genau rekonstruieren, wie wir das geschafft haben. Es haben mehrere Faktoren eine Rolle gespielt.

Sprache: Das wichtigste war vermutlich die Sprache. Sprache ist unglaublich mächtig. Sprache beeinflusst unser Denken. Das ist tatsächlich wissenschaftlich bewiesen und extrem beeindruckend. Wenn ich jetzt von „der Little“ und „der Sklavin“ rede, dann spalte ich die bewusst von mir ab und sie werden zu zwei eigenständigen Persönlichkeiten. Wenn ich aber sage, „ich fühle mich klein“ oder „ich fühle mich devot“, dann geht es immer um mich („ich“) und um meine Gefühle. Es wird nicht getrennt.

Ambivalenz: Ja, als Sklavin bestraft zu werden und gleichzeitig als Little überempfindlich zu sein, ist erst mal ein Widerspruch. Ich musste feststellen, dass aber irgendwie auch beides gleichzeitig geht. Ich wusste oft nicht, wie ich mich fühle oder wie ich mich fühlen soll. Meine Emotionen waren nur Brei, den ich nicht zuordnen konnte. Das habe ich zugelassen und immer wieder in mich hineingehört, wie ich das nun fand – möglichst ohne Vorurteile, wie ich etwas vermeintlich finden soll.

Mensch sein: Wir sind alle nur Menschen. Und kein Mensch ist nur eine Sache. Wir sind alles facettenreich. Wir haben verschiedene Aufgaben, verschiedene Stimmungen und Launen. Das ist ganz natürlich. Und eigentlich sind das Little und die Sklavin auch nur Stimmungen. So will z.B. auch fast niemand immer Sex. Auch eine Sklavin muss keinen Sex erdulden, wenn ihre Stimmung das gerade echt nicht zulässt. Wenn die Sklavin ab und zu in nicht-sexuellen Little Space fällt, dann passt die Stimmung eben ein bisschen öfter nicht.


Ich glaube, wir verkomplizieren vieles mit unserem Szene-Sprech. Wir reduzieren uns auf einen oder wenige Anteile in uns und übergehen den Rest. Wir trennen voneinander und packen alles und völlig verschiedene Schubladen. Und wenn wir es dann zusammenführen wollen, geht das plötzlich nicht. Dabei ist das gar nicht so schwer, wenn wir mal alle Schubladen ausleeren und einmal kräftig mischen.

2 Kommentare zu „Mein Alltag als nicht-sexuelles-24/7-Little-Sklavin-Freundin-Mischmasch-Gedöns

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