Ursachen für sexuellen Fetischismus

Viele Fetischisten und Nicht-Fetischisten fragen sich, wie es denn sein kann, dass ein Mensch durch ein Objekt oder Material erregt wird. Wissenschaftlich geklärt ist die Frage noch nicht. Aber Theorien gibt es einige.

Ein Fetisch ist, gemäß medizinischer Definition, eine sexuelle Vorliebe für ein unbelebtes Objekt oder Material. Für Außenstehende ist das oft völlig unbegreiflich, weil die Objekte der Begierde eigentlich in überhaupt keinem sexuellen Zusammenhang stehen. Und obwohl viele Fetische heute gesellschaftlich akzeptiert, stoßen viele Fetischisten auf Ablehnung, Spott und Hohn. Schnell stellt sich die Frage, ob das denn noch normal ist – und damit geht auch die Frage einher, woher dieser Fetisch denn kommt.

Ist er womöglich Zeichen einer psychischen Störung? Wurde er in der Kindheit geprägt oder doch erst später? Oder ist er womöglich sogar angeboren?

Fetischismus zählt in Deutschland zu den Paraphilien. Das bedeutet, es ist eine sexuelle Vorliebe, die von der Norm abweicht und gegebenenfalls zu einer psychischen Störung werden kann. Das heißt aber auch, dass sie an für sich erst mal keinen Krankheitswert hat.

Über die Auslöser sagt das natürlich nichts aus. Und die Ursachen sind bisher auch gar nicht abschließend geklärt. Es gibt sicher viele verschiedene Auslöser – und oft auch mehr als nur einen einzelnen. Wobei es nicht den einen, universellen Auslöser gibt, sondern die Ursachen ganz individuell sein können.

Angeboren?

Manche Menschenbehaupten, ein Fetisch sei angeboren. Wie diejenigen darauf kommen, ist mir allerdings ein Rätsel. Unser Gehirn ist schließlich noch sehr steinzeitlich und kennt keine Schuhe, Leder oder Ballons. Dass es angeboren wäre, durch solche Dinge sexuell erregt zu werden, macht keinen Sinn.

Möglich ist, dass gewisse Veranlagungen eine Rolle spielen. Das bedeutet, dass manche Menschen anfälliger für Fetische sind als andere. Das heißt aber nicht, dass Menschen mit dieser Veranlagung ganz bestimmt einen Fetisch bekommen, sondern nur, dass die Wahrscheinlichkeit höher ist. Es gibt aber nicht DAS Fetisch-Gen. Ob und in welchem Ausmaß genetische Faktoren überhaupt eine Rolle spielen, ist aber unklar.

In der Kindheit?

Viele Fetischisten berichten davon, dass sie ihren Fetisch ’schon immer‘ hatten. Bereits in der frühesten Kindheit hatten sie eine gewisse Faszination für dieses Objekt. Im Laufe der Pubertät kam die sexuelle Erregung dazu. Da liegt die Vermutung natürlich nahe, dass der Fetisch angeboren sein. In diesen Fällen wurde der Grundstein wohl schon in der frühen Kindheit gelegt

Durch Verknüpfung?

Psychologen sagen, dass auch Kinder bereits über eine Sexualität verfügen und sie sexuell erregbar sind – auch wenn diese noch sehr viel subtiler ist, als ab der Pubertät. Ein Fetisch entstehe vermutlich dadurch, dass das Objekt unbewusst mit sexueller Erregung verknüpft wird. Beispielsweise wenn ein Kind mit Schuhen spielt und dabei zufällig sexuell erregt ist, verknüpft das Gehirn diese beiden Dinge miteinander. Wenn Dinge zusammen auftreten, werden diese miteinander verbunden. Je häufiger etwas zusammen auftritt, desto stärker wird diese Verbindung. Irgendwann lernt das Gehirn: Schuhe bedeuten sexuelle Erregung – und schon ist der Fetisch entstanden.

Ein Fetisch kann sich im Grunde in jedem Alter entwickeln. Und manchmal geht das auch viel schneller als man denkt. Es kann reichen, wenn man sich öfter mal erotische Bilder oder Videos anschaut, in denen die Probanden zufällig Schuhe tragen. Die Erregung entsteht zwar erst über die erotische Darstellung, aber das Gehirn interpretiert die Schuhe als einen Teil davon.

Viele Faktoren

Unterm Strich würde ich sagen, dass sexuelle Vorlieben – darunter auch Fetischismus – ein Teil der Persönlichkeit sind. Sicher spielen genetische und hormonelle Veranlagungen eine Rolle, denn sie legen den Grundstein für das, was wir sind. Aber die Ausprägung und Ausgestaltung hängt sehr davon ab, welche Erlebnisse und Erfahrungen wir machen. Die frühe Kindheit ist da grundsätzlich die prägendste Zeit unseres Lebens. Wenn jemand einen Fetisch oder eine andere Vorliebe „abseits der Norm“ entwickelt, heißt das aber nicht, dass bei demjenigen etwas schiefgelaufen ist. Sondern es ist einfach ein normaler Prozess und im Ergebnis gibt unzählige Varianten.

3 Kommentare zu „Ursachen für sexuellen Fetischismus

  1. Mich würde mal interessieren, wie viele denn tatsächlich auf ein Material – völlig ohne Frau – abfahren. Denn gefühlt sind 90% aller Männer von bestimmten Materialien angetan. Allerdings eben nur an der Frau.

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    1. In einer Studie, über die ich mal was gelesen habe, hieß es, dass rund 25% der Befragten einen Fetisch hatten (also keine 90%), wobei ich jetzt auch nicht weiß, ab wann etwas als Fetisch gewertet wurde. Wie viele aber ohne Partner auf das Objekt abfahren, weiß ich leider auch nicht.

      Wobei es schon viele gibt, die ihr Fetisch-Objekt auch zur Selbstbefriedigung nutzen. Gerade wenn es um ein Material oder Kleidungsstück geht, das man selber gerne trägt, bietet sich das ja an. Das bedeutet dann ja aber auch noch lange nicht, dass der Partner unwichtig wäre.

      Genaures kann ich dir leider auch nicht sagen. Es gibt auch noch nicht übermäßig viele Statistiken dazu.

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  2. Ich glaube ja, wenn wir der Frage nachgehen, ob bei jemandem, der einen ausgeprägten Fetisch hat, etwas „schiefgelaufen“ ist oder eben nicht, müssen wir uns als erstes unsere Maßstäbe anschauen.

    Wir Menschen brauchen ja nicht nur uns selbst, sondern auch unser Umfeld, um uns selbst zu bewerten und unsere Gefühle mit dem Außen in Einklang zu bringen. Wir brauchen ein Umfeld, das uns annimmt, um uns selbst annehmen zu können.

    Genau da entstehen meiner Meinung nach die Probleme. Wenn jemand Neigungen abseits der Allgemeinheit hat, sieht er sich oft gezwungen diese heimlich auszuleben. Er spaltet das Bedürfnis von seiner Persönlichkeit im sozialen Kontext ab… Empfindet es und sich selbst als falsch. Ein guter Nährboden, um wirklich eine Störung zu entwickeln und da kann es schon krankhafte Züge annehmen. Damit meine ich alles, was Potenzial hat sich selbst oder anderen zu schaden. Alles, was Leid hervorruft.

    Es gibt vieles, das auch ich als skurril wahrnehme. Einfach weil es mir selbst schwer fällt, es nachzuempfinden. Ich weiß aber auch, dass meine Sexualität auf andere mitunter ebenso skurril wirkt. Der Mensch als soziales Wesen muss da noch deutlich mehr Toleranz entwickeln. Verstehen, dass der Moralbegriff kulturell geprägt und immer zu hinterfragen ist. Die Welt mit den vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten ist so schön bunt und es kann so spannend sein, sich über diese speziellen Dinge auszutauschen.

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