Der Little Space: Abtauchen in eine andere Gefühlswelt

Ein wichtiges Merkmal eines Littles ist der sogenannte Little Space. Nicht alle, aber viele Littles haben einen. Sicher versteht jeder ein wenig was anderes darunter und jedes Little empfindet ihren Little Space auch auf ihre ganz persönliche Art und Weise.

Was ist der Little Space?

Der Little Space ist der Moment, in dem sich ein Little ganz besonders kindlich fühlt. Es schlüpft tief in die kindliche Gefühlswelt und hat währenddessen besonders starke kindliche Bedürfnisse. Wie genau das aussieht, ist aber sehr unterschiedlich. Jedes Little ist anders und somit auch der Little Space.

Eine genaue Definition ist daher gar nicht möglich. Es ist auch nicht klar, was der Little Space aus psychologischer Sicht genau ist.

Ich selbst beschreibe ihn gerne als einen anderen Bewusstseinszustand. Ein wenig wie eine kleine, harmlose Dissoziation, eine Auszeit vom Alltag. Das Little fühlt sich in gewisser Weise anders als sonst, schaltet den Kopf (insb. Gedankenkreisen) weitgehend aus und fühlt fast nur noch.

Wie fühlt es sich an?

Das ist genauso schwer wie den Geschmack eines Lebensmittels zu beschreiben, das der andere nicht kennt. Man kann es versuchen, aber niemals wirklich schaffen. Und jedes Little wird den Little Space anders beschreiben, teils auch etwas anders empfinden. Es macht auch einen wesentlichen Unterschied, ob sich ein Little im Little Space wie ein Baby, ein kleines Kind oder ein Jugendlicher fühlt.

Ich kann im Folgenden also erst mal nur von mir ausgehen. Meiner Erfahrung nach fühlen sehr viele Littles aber zumindest ähnlich.

Der Little Space ist für mich ein seeehr, sehr intimes Gefühl. Ich lege alle psychischen Schutzmechanismen ab. Ich werde sehr empfindlich, fühle mich psychisch nackt. Ich bin allen negativen Einflüssen schutzlos ausgeliefert. Ein falsches Wort oder ein schiefer Blick kränken dann sofort extrem. Deswegen brauche ich eine sichere Umgebung, mit einem Menschen, dem ich in der Hinsicht absolut vertrauen kann und der diese Seite an mir mag.

Dann kann ich meinen Kopf freimachen, Ängste und Sorgen für einen Moment vergessen und einfach nur ich selbst sein. Und wie es eben ist, wenn man vollkommen man selbst sein kann, fühle ich mich angekommen, glücklich, frei. Oft überkommt mich ein Gefühl von Euphorie und Freude. Ich habe Spaß, fühle mich süß und liebenswert. Ich werde dann auch gerne frech und übermütig; mir fällt es manchmal schwer, Grenzen zu erkennen.

Und ja, ich fühle mich dann plötzlich „wie ein Kind“. Das Gefühl kann man nicht beschreiben. Ich fang dann an, wie ein Kind zu sprechen, ändere meine Stimme und rede nicht mehr in ganzen Sätzen. Nicht, weil man das von mir erwarten würde, sondern weil mir in den Momenten einfach danach ist. Diesen „Baby-Sprech“ machen aber längst nicht alle Littles.

In anderen Momenten fühl ich mich aber einfach nur klein und empfindlich. Da brauche ich die Nähe meines Partners, möchte mich tief in seine Arme vergraben, seine emotionale Präsenz spüren. Jeder kennt das Gefühl, von jemandem Halt zu brauchen und (hoffentlich auch) zu bekommen. Verletzlich zu sein. Dieses Gefühl liegt dem zu Grunde, aber halt sehr intensiv, und die Nähe des anderen wird sehr essenziell. Das Wort „needy“ trifft es für mich sehr gut. Die deutschen Übersetzungen haben für mich eine leicht andere (negativere) Bedeutung, die es nicht ganz so gut treffen.

Ist das eine Regression?

Im DDLG fällt immer mal wieder der Begriff „Regression“ und meint damit, dass ein Little emotional wieder in ein Kinder-Alter zurückfällt. Das passiert beim Little Space zwar durchaus. Aber „Regression“ ist ein medizinischer Begriff und meint damit insb. einen Mechanismus zur Bewältigung eines Traumas, wie es auch bei der Multiplen Persönlichkeitsstörung vorkommt. In der Hypnose meint eine Regression die Zurückführung in die eigene Kindheit, zu einem konkreten, real erlebten Moment.

Ich bin sehr vorsichtig, was medizinische Begriffe angeht. Und ich möchte meine Gefühle nicht mit der medizinischen Regression auf eine Stufe stellen. Deswegen lehne ich persönlich das Wort „Regression“ ab.

Woran erkennt man, ob jemand im Little Space ist?

Ich bin der Meinung, ein halbwegs empathischer Mensch merkt das einfach. Der Blick verändert sich ein bisschen. Und das Verhalten auch. Alles andere kann gespielt sein. So wie manche z.B. auch Freude und gute Laune vorspielen, obwohl sie es nicht sind.

Allgemeingültige Anzeichen gibt es nicht, dafür sind dann doch zu unterschiedeliche. Manche Dinge sind aber etwas weiter verbreitet als andere. Ein mögliches Merkmal kann das oben erwähnte „Baby-Sprech“ sein oder wenn man total albern wird. Große, leuchtende Augen. Eine feste, innige Umarmung. Klammergriff (z.B. um die Füße). Genuckel am Finger oder an irgendwas anderem. Albernes Gekicher. Wenn man sich freut, wie ein Kind. Ablehnung jeglicher sexuellen Handlung (fühlt sich für asexuelle Littles wie mich dann übergriffig an).

Selbstverständlich kann solches Verhalten auch gespielt sein. Aber je besser man sich kennt, desto eher erkennt man auch, ob der andere im Little Space ist oder nur so tut.

Wie verhält man sich, wenn der Partner im Little Space ist?

Wenn man selbst mit einem Little zusammen ist, dann sollte man da viel drüber reden. Jedes Little hat andere Bedürfnisse. Man macht nichts falsch, wenn man das Little ab und zu fragt, ob und wie tief es im Space war und was es in dem Moment gebraucht hätte. Man lernt dann schon mit der Zeit, die Situationen richtig einzuschätzen.

Ist Sex im Little Space ok?

Das hängt sehr vom Little ab. Es gibt sexuelle und asexuelle Littles. Welche Handlungen wann und wie in Ordnung sind, sollte unbedingt im Vorfeld, auf Augenhöhe, außerhalb vom Little Space besprochen werden.

Asexuelle Littles wollen im Little Space unschuldig und ganz Kind sein. Sexuelle Handlungen werden schnell unangenehm und fühlen sich nach einem Übergriff an. Das Little kann dadurch psychisch sehr verletzt werden und viel Vertrauen verlieren.

Sexuelle Littles sind hier das genaue Gegenteil. Der Little Space schafft sehr viel Nähe, Verbundenheit und Intimität. Das kann sich selbstverständlich auch direkt auf die sexuelle Erregung auswirken, da Sex ebenfalls sehr intim ist. Der Zwiespalt zwischen den unschuldigen, kindlichen und den „schmutzigen“, sexuellen Gefühlen hat auch seinen ganz eigenen Reiz.

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