Wenn du deinen Fetisch loswerden möchtest

Viele Menschen schämen sich für ihren Fetisch oder allgemein für ihre sexuellen Vorlieben. Sie sehen ganz viele Probleme, die sie damit haben werden und wünschen sich nur, diese Vorlieben wieder los zu werden. Doch so einfach, wie sich das viele wünschen, ist das oft nicht.

Egal ob es um einen klassischen Fetisch geht (z.B. Erregung durch Schuhe oder Gummi) oder eine bestimmte Praktik (z.B. Kitzeln), eine BDSM-Neigung oder sonst was. Es weicht von der Norm ab, man stößt auf Unverständnis und die Angst, vom (zukünftigen) Partner deswegen verurteilt und abgewiesen zu werden, kann sehr hoch sein.

Viele Leute sprechen von „Fetisch“, meinen damit aber etliche Vorlieben und Kinks. Um Missverständnissen vorzubeugen, spreche ich hier auch lieber allgemein von „Vorliebe“ und „Neigung“.

Auf eigene Faust unterdrücken?

Einige Menschen behaupten, man brauche nur genügend Selbstdisziplin, um den Fetisch erfolgreich zu unterdrücken. Man solle sich einfach etwas anderes suchen und nicht mehr daran denken. Oder man verdirbt ihn sich gezielt, indem man beim Ausleben an etwas ekliges denkt.

Leider muss ich euch aber sagen, dass man seine sexuellen Vorlieben nicht so ohne weiteres wieder loswird. Eine sexuelle Neigung ist nämlich keine schlechte Angewohnheit und schon gar keine Sucht. Auch wenn es sich manchmal so anfühlen mag. Sondern sie ist Teil der eigenen Sexualität und damit Teil der Persönlichkeit. Es ist von daher nur natürlich, wenn dieser Teil in einem ausgelebt werden möchte.

Natürlich kann ich nicht ausschließen, dass manche ihre Wünsche durch Unterdrücken wieder „los werden“. Das funktioniert aber sicher nur, wenn diese ohnehin nicht stark ausgeprägt waren. Wenn sie kein Muss waren, kann man sie natürlich auch einfach wieder zur Seite schieben.

Anders ist es aber, wenn wirklich ein Verlangen besteht, gewisse Vorlieben auszuleben. Dann ist eben dieses Verlangen nun mal da. Wenn du das unterdrückst, wirst du über kurz oder lang darunter leiden. Denn irgendwann kommt der Wunsch wieder hoch und dann ist das Verlangen nur noch stärker, der Leidensdruck noch größer.

Akzeptieren und Annehmen

Deswegen rate ich dir ausdrücklich davon ab, eine Neigung einfach zu unterdrücken. Denn wenn es nicht funktioniert, gibst du dir vermutlich die Schuld dafür, dass es nicht geklappt hat. Dabei hat es nichts mit mangelnder Selbstdisziplin o.Ä. zu tun. Sondern einfach damit, dass das so nicht funktioniert.

Ich halte es sogar für sehr kontraproduktiv, wenn man sich so gegen seine Vorlieben sträubt. Denn dadurch beschäftigt man sich nur unnötig stark damit. Sie nehmen sehr viel Raum ein, werden wichtig (wenn ich im negativen Sinne). Und ich habe das Gefühl, dass sie genau dadurch oft sogar noch stärker werden.

Sexuelle Vorlieben, Fetische, Kinks und co sind, wie erwähnt, Teil der eigenen Sexualität. Man kann nicht wirklich beeinflussen, was man mag. Das solltest du erst mal so hinnehmen. Deine Vorliebe ist ein Teil von dir. Dafür kannst du nichts, aber du kannst daran auch nichts ändern.

Wenn du dich für deine Neigung schämst, dann möchte ich dir ans Herz legen, dich einfach mal im Internet umzuschauen. Es gibt viele Portale für viele verschiedenen Fetische, Neigungen, Praktiken und sexuelle Spielarten. Wenn du dich da einliest und vielleicht auch mit anderen austauschst, wirst du schnell merken: Deine Wünsche sind gar nicht so selten und abwegig, wie du womöglich erst gedacht hast. Es gibt viele andere Menschen, denen es ähnlich geht; die früher ganz ähnliche Zweifel hatten und die heute glücklich mit ihrer Vorliebe sind.

Hilfe von außen suchen

Wenn das nicht reicht, ist es vielleicht sinnvoll, mal über eine Therapie nachzudenken. Sei es, weil du dich trotz allem sehr dafür schämst, du dich durch deine Vorliebe eingeengt fühlst, du dich strafbar machen würdest oder etwas anderes – Probleme, die mit einer Neigung einhergehen können, sind äußerst vielfältig. Und von alleine gehen die Probleme in der Regel leider nicht weg.

In einer Therapie wird die Neigung nicht verschwinden. Du kannst aber den richtigen Umgang damit lernen und deinen Fokus wieder mehr auf „normale“ Sexualität richten . In einer Sexualtherapie lernt man, diese Seite an sich anzunehmen und zu akzeptieren, ohne sich dafür zu schämen oder sich schuldig zu fühlen. Teilweise kann man auch lernen, wieder durch herkömmliche Weise erregt zu werden – z.B. einfach durch die Intimität, durch die Geschlechtsteile oder durch gewöhnlichen Geschlechtsverkehr. Ein Therapeut kennt gute Methoden und Tools, wie du deine Sexualität so lenken kannst, dass sie dich erfüllt.

Was auch immer dein Kink ist: Dich dafür zu schämen, dich schuldig zu fühlen und ihn zu unterdrücken, wird dich nicht weiterbringen. Er ist ein Teil von dir – und einen Teil von dir zu leugnen, ist sehr destruktiv. Akzeptiere ihn als Teil von dir, informiere dich darüber, tausch dich aus und schaue dann, wie du das beste daraus machen kannst.

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